Wenig Investition in Innovation: Konjunkturumfrage für Wirtschaftsstandort Bayerisch-Schwaben

Schwabens IHK-Präsident Reinhold Braun (links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen stellten die aktuelle Konjunkturumfrage vor.  (Foto: Markus Höck)
Schwabens IHK-Präsident Reinhold Braun (links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen stellten die aktuelle Konjunkturumfrage vor. (Foto: Markus Höck)
Schwabens IHK-Präsident Reinhold Braun (links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen stellten die aktuelle Konjunkturumfrage vor. (Foto: Markus Höck)
Schwabens IHK-Präsident Reinhold Braun (links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen stellten die aktuelle Konjunkturumfrage vor. (Foto: Markus Höck)
Schwabens IHK-Präsident Reinhold Braun (links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen stellten die aktuelle Konjunkturumfrage vor. (Foto: Markus Höck)

Für seine erste Pressekonferenz als frisch gewählter Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) hätte sich Reinhold Braun bessere Nachrichten zur konjunkturellen Lage in Bayerisch-Schwaben gewünscht. Stattdessen musste Braun gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Marc Lucassen verkünden: „Eine dringend benötigte Trendwende ist nicht in Sicht.” Das ist eines der Ergebnisse aus der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK, die beide am Montag vorstellten.

Der sogenannte Konjunkturindex bringt die Einschätzungen der befragten Unternehmen zur eigenen aktuelle Geschäftslage und zur erwarteten Geschäftslage zusammen und bietet so einen schnellen Überblick, wie es um die Wirtschaft bestellt ist. Der IHK-Konjunkturindex erreicht zwar knapp die Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Von dem zehnjährigen Durchschnitt von 118 Punkten ist er dennoch deutlich entfernt. In der Herbstumfrage lag der Konjunkturindex bei 96 Punkten. Der minimale Anstieg ist für Lucassen viel zu schwach und signalisiert nicht die erhoffte Gegenbewegung. „Wir treten auf der Stelle und das in ziemlich unwegsamem Gelände”, interpretiert er die Zahlen.

Aufgeschlüsselt nach Branchen zeigt sich, dass insbesondere das Baugewerbe derzeit schlecht dasteht, wenngleich nicht mehr ganz so schlecht wie in der Herbstumfrage. Besser sieht es allein bei den Dienstleistungen aus.

Insgesamt zeichnen Braun und Lucassen ein eher düsteres Bild; die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage habe sich weiter verschlimmert. Immer mehr Unternehmen berichten von einer derzeit schlechten Geschäftslage. Nach Lucassen fehlten der regionalen Wirtschaft die Wachstumsimpulse aus dem In- und Ausland. „Daneben fühlen sich die Unternehmen durch eine überbordende Bürokratie in ihrem Handlungsspielraum stark eingeengt.” Sorgen bereitet Lucassen, dass der Pessimismus in den Unternehmen anhalte: Fast jedes dritte Unternehmen geht davon aus, dass sich die eigene Geschäftslage verschlechtern werde. Positiv in die Zukunft blicken dagegen nur 17 Prozent. Dazu passt, dass die Investitionsbereitschaft weiter auf einem niedrigen Niveau liegt. „Ohne Investitionsschub droht ein Verlust der wirtschaftlichen Substanz, der erst in Jahren spürbar wird”, warnt Lucassen. Und wo investiert wird, findet dies vermehrt im Ausland statt – insbesondere Kapazitätserweiterungen. Für Lucassen ist bemerkenswert, dass Produktinnovationen als Investitionsmotiv nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. „Wir haben keine Diamanten und kein Öl in der Erde”, betont Lucassen die Bedeutung von Innovationen für die bayerisch-schwäbische Wirtschaft.

IHK-Präsident Braun hat für die wenig erfreuliche Situation eine Erklärung parat: „Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden als wachsendes Hemmnis für die Wirtschaftsentwicklung wahrgenommen.” Zwei Drittel aller befragten Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen sähen darin das „größte Risiko ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung” – der Blick geht dabei nicht nur nach München, sondern auch – und vor allem – nach Berlin. Von einem „Ampel-Bashing” distanzieren sich Lucassen und Braun. Und doch: Es habe sich in den vergangenen zwei Jahren etwas verändert im Verhältnis von Bundeswirtschaftsministerium und den Wirtschaftsverbänden. Brauns Eindruck sei, dass keinen Wert mehr auf die Expertise, etwa der Kammern, gelegt werde. Es fänden keine Konsultationen mehr statt. Dabei wäre die Bundespolitik gerade jetzt gefragt, dort Einfluss zu nehmen, wo sie es könnte.

Energie „muss bezahlbar bleiben”

Da wäre etwa der Komplex der Energieversorgung. Braun wünscht sich einen Masterplan für Bayern und Schwaben, wie künftig die Versorgung aussehen soll. Wichtig: Energie „muss bezahlbar bleiben”, so Braun. Im internationalen Vergleich seien die Energiekosten in Deutschland viel zu hoch, was die Wettbewerbsfähigkeit negativ beeinflusse.

Ein weiteres Problemfeld sei der Fachkräftemangel. Hier gelte es, die vorhandenen Potenziale im Inland zu heben. Man habe zwar eine sehr hohe Beschäftigungsquote, doch leisteten die Menschen zu wenige Stunden. Um mehr Menschen von Teil- in Vollzeit zu bringen, müssten die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, wie etwa Kinderbetreuung. Möglich wäre auch, es Menschen im Ruhestand zu erleichtern, einer Beschäftigung nachzugehen – ohne den Zusatzverdienst zu besteuern. Braun setzt auch auf den Ausbau von Automatisierung und Digitalisierung. Doch ohne Fachkräfte aus dem Ausland werde es nicht gehen, ist der IHK-Präsident sicher und sein Hauptgeschäftsführer Lucassen rechnet vor, dass es einen „Netto-Zuzug von 400.000 Arbeitskräften pro Jahr” brauche, um das Sozialversicherungssystem stabil zu halten.

Und schließlich sei es die Aufgabe der Politik, „dem Bürokratiewahnsinn endlich Einhalt zu gebieten”, fordert Braun. Schon im Dezember 2023 hat sich die Vollversammlung der IHK Schwaben für ein breit gefächertes Maßnahmenpaket ausgesprochen, mit dem gegengesteuert werden könnte. Denn: „Solange wir unsere strukturellen Probleme hierzulande nicht lösen, verlieren wir wirtschaftlich weiter an Boden”, mahnt Braun.


Markus Höck
Markus Höck

Redakteur Augsburg-Redaktion

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