Wütend, aber dennoch „dialogbereit“: 3000 Teilnehmer auf Bauerndemo in Augsburg

Augsburg ist am Mittwoch Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. (Foto: Markus Höck)
Augsburg ist am Mittwoch Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. (Foto: Markus Höck)
Augsburg ist am Mittwoch Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. (Foto: Markus Höck)
Augsburg ist am Mittwoch Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. (Foto: Markus Höck)
Augsburg ist am Mittwoch Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. (Foto: Markus Höck)

Traktor an Traktor reiht sich auf dem Augsburger Plärrergelände aneinander. Parolen mit Kritik an der Ampelregierung stehen auf den Schildern, die an den Fahrzeugen angebracht sind, aber auch Sorgen und Ängste formulieren die Bauern auf ihren Transparenten. Die unzähligen Landwirte, die an diesem Mittwoch zur Großdemo nach Augsburg gekommen sind, versammeln sich vor ihren Maschinen auf dem Plärrer. Ihre Botschaft: Es geht um die Existenz.
Rund 2000 Traktoren, so schätzt die Polizei, haben die Demonstranten auf und rings um den Plärrer abgestellt. Augsburg ist am Mittwoch der Schwerpunkt der bayernweiten Bauernproteste. Schon gegen 10 Uhr ist der Plärrer gefüllt, 3000 Teilnehmer zählt die Polizei, in der Stadt kommt es zu Verkehrsbehinderungen, überall ist lautes Hupen zu hören.
Auf dem Plärrergelände hat sich eine kleine Gruppe angehender Landwirte aus Dasing und Aichach eingefunden. Simon Maier ist 17 Jahre alt und erlernt den Beruf des Landwirts. Durch die Agrarpolitik in Berlin sieht er schlicht seine Zukunft gefährdet. Agrardiesel und Kfz-Steuer sind für ihn längst nicht das einzige Problem. Er erinnert an die Pflicht, ab diesem Jahr vier Prozent der Ackerfläche stillzulegen – auch wenn es hier um eine Regelung der EU geht. Aber: „Wo sie was machen können, sollen sie auch was machen“, fordert Maier mehr Unterstützung von der Bundesregierung für die Bauern. Das hofft die Gruppe aus Aichach und Dasing mit ihrem Beitrag zum Protest zu erreichen. „Wir machen solange weiter, bis sich was tut“, beschreibt der 16-jährige Stefan Habek die Entschlossenheit der Landwirte. Und sollten die Proteste keinen Erfolg zeigen, „dann fangen wir das Gülle fahren an“, schallt es aus der Gruppe, gefolgt von Gelächter – die Stimmung unter den Demo-Teilnehmern ist gut.
Kurz nach 11 Uhr startet die Kundgebung. Als Hauptredner spricht der Präsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Günther Felßner. Er wiederholt die klare Forderung, dass die Steuervergünstigung für Agrardiesel und die Kfz-Steuer-Befreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht gestrichen werden dürfen. Und noch einen dritten Punkt bringt er an: die Steuerbefreiung von regionalen Biokraftstoffen. „Dann machen wir unseren Sprit selber“, so Felßner, und dieser Treibstoff wäre dann auch noch klimaneutral.
Keinen leichten Stand hat der Bundestagsabgeordnete Maximilian Funke-Kaiser (FDP). Er soll nach Felßner ans Rednerpult als Vertreter der Ampel-Koalition in Berlin. Eigentlich hatten sich die Veranstalter einen Politiker aus der SPD gewünscht, wie Felßner verrät. Doch die Sozialdemokraten hätten abgelehnt. Stattdessen stellt sich Funke-Kaiser der Wut der Bauern. Die lassen den FDP-Mann ausreden, hören zu – und dann gibt es Pfiffe und Buhrufe für seine Rechtfertigungsversuche. Zumindest ein bisschen kann er punkten mit dem Verweis, dass einige der Beschwernisse, die den Bauern jetzt zu schaffen machen, unter einer unionsgeführten Bundesregierung zustande gekommen seien. „Ja, da hat er recht. Die Schwarzen waren auch nicht besser“, stimmt ein Teilnehmer zu. Die Umstehenden quittieren die Aussage mit einem Nicken. Funke-Kaiser verspricht, die Anliegen mit nach Berlin zu nehmen.
Auf dem Plärrer finden sich immer mehr Politiker ein. Der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist ebenso nach Augsburg gekommen wie die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko (CSU) betont ebenfalls, dass es um nicht weniger als die Existenz der Bauern gehe. Diese dürften im europaweiten Vergleich nicht benachteiligt werden.

„Die Bauern sind sauer ohne Ende”

„Die Bauern sind sauer ohne Ende“, sagt Aiwanger. Der Minister, der selbst Landwirt ist, fordert eine „vernünftige Agrarpolitik“ und betont die Friedlichkeit der Proteste. Es sei „bisher keine einzige Fensterscheibe zu Bruch gegangen“.
Auf der Bühne geben sich nacheinander der Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands Josef Ziegler, Vertreter von Landwirtschaft verbindet (LsV), Sprecher der Jungbauern, des Maschinenrings und weiterer Verbände, die sich an die Seite der Bauern stellen, das Mikrofon in die Hand. Einig sind sich alle: So könne es nicht weitergehen.
Entschlossen sei man, die Proteste weiterzuführen, wenn die Bundesregierung nicht einlenke. Am Freitag verlagert sich der bayerische Protest-Schwerpunkt nach Nürnberg, bevor die deutschen Bauern dann am kommenden Montag nach Berlin ziehen. „Wir sind dialogbereit“, betont BBV-Präsident Günther Felßner. Doch sollte sich die Ampel den Argumenten der Bauern verweigern, dann verspricht Felßner einen „Januar, wie ihn dieses Land noch nicht gesehen hat“. (jaf/mh)

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